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„Junge Menschen in Sachsen sind nicht so dumm,…“ +kreuzblende.de-Interview mit BISS.FM-Macher

23. April 2009
BISS.FM Logo

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Seit einiger Zeit gibt es in Dresden eine Initiative, die mit dem vorhandenen Radioangebot nicht einverstanden ist. Die Initiative BISS.FM setzt sich für ein Jugendradio in Sachsen nach dem Vorbild von MDR SPUTNIK oder Fritz ein. Bis zum 31.Mai 2009 sammelt die Initiative auf ihrer Internetseite Stimmen, um ihrer Forderung nach einem neuen Radioangebot für junge Leute bei der sächsischen Landesmedienanstalt Nachdruck zu verleihen.  Die Initiative besteht nach eigenen Angaben aus Akteuren aus Kultur und Medien. +kreuzblende.de hat sich mit Mitorganisator von BISS.FM, Sebastian Schwerk, über das Projekt unterhalten.

+kreuzblende.de: Was bedeutet BISS.FM?

Sebastian Schwerk (BISS.FM)

Sebastian Schwerk (BISS.FM)

Sebastian Schwerk: Ursprünglich hieß die Initiative „Für ein Radio mit BISS“ und BISS stand (und steht) als Akronym für „Bunter, Informativer, Schlauer, Sächsischer“ – BISS.FM klang aber dann frischer.

+kreuzblende.de: Wer hat BISS.FM ins Leben gerufen?

Sebastian Schwerk: Eine „Kneipenrunde“ bestehend aus Radiomachern vom freien Radio, Labelmachern, Musikfans und mir als ehrenamtlichen Leiter der Scheune Akademie, einer Einrichtung der Dresdner Scheune, die Weiterbildungsangebote, Netzwerkarbeit und Fördermodelle für Musikwirtschaft, Medien und Popkultur anbietet.

+kreuzblende.de: Warum wurde BISS.FM ins Leben gerufen?

Sebastian Schwerk: Weil man als interessierter, musikbegeisterter, aufgeschlossener und mitdenkender junger Mensch in Sachsen kein Radio hören kann. Derzeit gibt es nur einen „offiziellen“ Jugend-Sender, das ist Radio NRJ, also ein privater Sender, der zuletzt auch noch Mitarbeiter entlassen hat und somit weniger regionale Berichterstattung bieten kann und bei dem sehr wenig neue Musik ins Tagesprogramm aufgenommen wird. Für junge Erwachsene gibt es noch JUMP, aber JUMP hat laut Analysen weniger Informationsgehalt als einige private Sender und spielt ebenfalls extrem wenig neue Musik.

Mit neuer Musik ist dabei immer die Anzahl neuer Titel gemeint, dies es schaffen, ins Tagesprogramm der nächsten Woche zu kommen.

Die Kernaussage ist: Die jungen Menschen in Sachsen sind nicht so dumm, wie sie vom Radio verkauft werden und das Bedürfnis nach einem kreativen, anspruchsvollen Programm ist enorm. Das bisherige Angebot regt nicht zum Nachdenken an. Auch und gerade für die regionale Musikszene ist das aktuelle Sendeangebot ein Schlag ins Gesicht, da die Aussichten, im Radio gespielt werden für Sächsische Bands und Labels gegen Null geht. Da leisten Fritz und Sputnik echte Pionierarbeit und die braucht es auch, um Wege für neue Musik zu ebnen. Auch der private Sender Motor.FM leistet hier gute Arbeit und würde ebenfalls gerne in Sachsen auf verfügbaren Frequenzen senden. Diese werden aber leider unter ziemlich fadenscheinigen Gründen von der Landesregierung blockiert.

+kreuzblende.de: Wie ist die Reaktion auf BISS.FM?

Sebastian Schwerk: Hochgradig emotional. Alle bisherigen 2.000 Unterzeichner sind ganz offensichtlich wütend, frustriert und hören in der Regel außer den Sendern Deutschlandfunk und Deutschlandradio gar kein Radio über UKW mehr. Ungefähr jeder dritte Unterzeichner hinterlässt einen Kommentar, in dem die aktuelle Situation als Katastrophe bezeichnet wird.

+kreuzblende.de: Ihr macht eigenes Programm?

Sebastian Schwerk: Jein. Das war nicht unser Ziel und bisher haben wir nur an einem einzigen Tag gesendet und da ging es mehr um Aufmerksamkeit für unsere Initiative als um einen eigenen Sender. Wir haben da parallel zum Dresdner Filmball „Tanz der Vampire“ (Motto: „Beißen und gebissen werden“) den Radioball ins leben gerufen. Aber es gibt den plötzlich eingetretenen Nebeneffekt, dass sich super viele Leute gemeldet haben, die meinten: „Lasst uns jetzt einfach gemeinsam ein Webradio hochziehen, bevor wir auf irgendwelche Förderungen oder ähnliches warten“. Wir fordern ja neben der Einführung einer echten Alternative auf UKW auch ein Förderprogramm für nichtkommerzielle Webradios (Unis, Schulen etc.) und die ganze Sache kriegt eine riesige Dynamik.

+kreuzblende.de: Was passiert mit BISS.FM nach dem 31.05.2009?

Sebastian Schwerk: Nun ja, ich hoffe, dass wir deutliche Zeichen setzen können, um mit entscheidenden Personen Gespräche führen zu können und sich dabei Lösungen finden lassen und es doch zu einer Ausschreibung der verfügbareren Frequenzen für ein zweites Jugendradio kommt. Und wenn das alles nicht klappt, dann werden wir uns wohl darauf konzentrieren, den MDR zu „bearbeiten“. Letzten Endes könnte man ja auch JUMP und Sputnik über eine Frequenz in Sachsen senden, wenn sich eine gute Sendeaufteilung findet. Also zum Beispiel 06 Uhr – 10 Uhr Sputnik. 9 Uhr – 14 Uhr JUMP, 14 Uhr – 18 Uhr Sputnik usw. – Selbst diese Minimallösung wäre ein enormer Fortschritt in Sachsen und würde sicher im Hause MDR für einige Bewegung sorgen. Und Bewegung soll ja nicht schaden. In Sachsen Anhalt, wo beide Formate ausgestrahlt werden, haben beide nahezu gleich viele Hörer. Der MDR könnte also durch solch eine Minimalvariante in Sachsen Hörer und Glaubwürdigkeit gewinnen!

Und dann wird es, so wie es aussieht, bald ein neues Webradio in Sachsen geben. Aber ein Webradio kann nie ein Qualitätsradio auf UKW ersetzen und ist eher eine Art regionale Netzwerkplattform für Musik, die sonst nicht im Radio gespielt wird.

+kreuzblende.de dankt Sebastian Schwerk für das Gespräch.

http://biss.fm/
www.slm-online.de